Als Journalistin frage ich mich oft: Warum reden wir so viel über Lieferketten und Rohstoffpreise — aber vergleichsweise wenig über ein Instrument, das für viele Mittelständler den Unterschied zwischen Mut zur Auslandsexpansion und Existenzangst ausmachen kann? Exportkreditversicherungen sind genau dieses Instrument. Sie schützen Exporteure vor dem Ausfall ihrer Auslandskunden und werden gerade in Zeiten zunehmender geopolitischer Spannungen zu einem zentralen Risikomanagement-Werkzeug.
Was ist eine Exportkreditversicherung und wie funktioniert sie?
Kurz gesagt: Eine Exportkreditversicherung (auch Forderungsausfallversicherung) übernimmt das Risiko, dass ein ausländischer Käufer nicht zahlt — sei es wegen Zahlungsunfähigkeit, politischer Ereignisse wie Kriegen oder Kapitalverkehrskontrollen. Es gibt private Anbieter wie Allianz Trade (ehemals Euler Hermes), Coface oder Atradius, aber auch staatlich unterstützte Lösungen: in Deutschland sind das die sogenannten Hermesdeckungen, die vom Bund garantiert werden und insbesondere für größere, riskantere Projekte oder Länder eingesetzt werden.
In der Praxis schließt ein Unternehmen mit der Versicherung eine Police ab, die bestimmte Forderungen gegen einzelne Abnehmer oder Länder abdeckt. Tritt ein Schadenfall ein, übernimmt die Versicherung nach Prüfung einen großen Teil der Forderung — oft zwischen 80 und 95 Prozent. Der Exporteur verliert also nicht sofort seine gesamte Forderung und kann weiter planen.
Warum sind Exportkreditversicherungen für Mittelständler so wichtig?
Mittelständische Unternehmen sind in Deutschland das Rückgrat der Exportwirtschaft. Sie sind flexibel, technikorientiert und oft auf enge Beziehungen zu einzelnen Kunden angewiesen. Genau das macht sie verwundbar:
Exportkreditversicherungen schaffen hier Planungssicherheit: Sie ermöglichen längere Zahlungsziele (z. B. für Investitionsgüter), erleichtern die Refinanzierung bei Banken und eröffnen Märkte, die sonst als zu riskant gelten würden. Für viele Mittelständler ist die Hermesdeckung sogar Bedingung, um bei großen internationalen Großprojekten als Lieferant akzeptiert zu werden.
Geopolitische Bruchstellen: Welche Risiken decken ECAs ab?
Geopolitische Bruchstellen sind nicht nur klassische Kriege. Ich unterscheide drei relevante Formen:
Exportkreditversicherungen decken meist politische Risiken und wirtschaftliche Ausfälle ab. In Zeiten, in denen Staaten Sanktionen verhängen, Banken beschränken oder plötzlich Finanzmärkte schließen, greifen staatlich gestützte Instrumente oft schneller und mit höherer Deckung als private Anbieter — weil der Staat größere Risiken übernehmen kann und will, um strategische Wirtschaftsinteressen zu schützen.
Wann sind staatliche Eingriffe sinnvoll?
Staatliche Eingriffe durch Exportkreditagenturen (ECAs) sind dann sinnvoll, wenn der Markt versagt oder systemische Risiken drohen. Konkret:
Der Staat darf jedoch nicht ALLES übernehmen. Eine rationale Abwägung ist nötig: Die Risiken müssen transparent, befristet und mit klaren Bedingungen verbunden sein, etwa Nachweise zur Bonitätsprüfung, Eigendeckungspflichten oder Exportkontrollen. Sonst entsteht moral hazard — also die Versuchung, Risiken leichtfertig einzugehen, weil der Staat bürgt.
Wann staatlich garantierte Deckungen nicht angebracht sind
Staatliche Eingriffe sind weniger sinnvoll, wenn:
Ein gesundes System kombiniert private und staatliche Deckungen: Private Anbieter übernehmen das Standardgeschäft; der Staat springt ein, wenn Risiken außergewöhnlich sind oder systemische Effekte drohen.
Praktische Tipps für Mittelständler
Aus meiner journalistischen Auseinandersetzung mit Unternehmen und Experten haben sich einige pragmatische Empfehlungen herauskristallisiert:
Ein Blick auf aktuelle Entwicklungen
In den letzten Jahren haben wir zwei relevante Trends gesehen: Erstens steigen die Länder- und Lieferkettenrisiken durch geopolitische Fragmentierung — Stichworte: Ukraine-Krieg, Südchinesisches Meer, wachsende Protektionismen. Zweitens reagieren ECAs darauf mit ausgeweiteten Angeboten, schnellerer Bearbeitung und engerer Abstimmung mit Wirtschafts- und Entwicklungszielen. Deutschland hat seine Hermesdeckungen punktuell angepasst, um energiebezogene und Infrastrukturprojekte abzusichern.
Für die Politik bedeutet das eine Herausforderung: Wie viel Risiko übernimmt der Staat, ohne langfristig private Märkte zu verdrängen? Meine Antwort aus journalistischer Perspektive lautet: gezielt, transparent und mit klaren Rückzahlungs- und Umwelt-/Sozialkriterien. Nur so bleiben solche Instrumente demokratisch legitimiert und wirtschaftlich sinnvoll.
Was Leserinnen und Leser tun können
Wenn Sie als Unternehmerin oder Unternehmer planen zu exportieren, sprechen Sie früh mit Ihrer Bank, Ihrer Industrie- und Handelskammer und den Versicherern. Als Bürgerinnen und Bürger sollten wir darauf achten, dass staatliche Exportabsicherungen öffentlich und nachvollziehbar bleiben — wer bürgt, muss auch Rechenschaft ablegen.
| Instrument | Zweck | Typische Anwendungsfälle |
|---|---|---|
| Private Forderungsausfallversicherung | Schutz gegen Käuferausfall | Kurzfristiger Warenexport |
| Hermesdeckung (staatlich) | Deckung hoher politischer/länderspezifischer Risiken | Infrastrukturprojekte, Investitionsgüter, Großaufträge |
| Akkreditiv / Bankgarantie | Zahlungssicherheit | Projektfinanzierung, Bauaufträge |