Der 5G‑Ausbau ist nicht nur eine technische Aufrüstung des Mobilfunks – er verändert, oft schleichend, wie Daten in unseren Städten erzeugt, gesammelt und genutzt werden. Als Journalistin, die sich mit Politik, Sicherheit und digitalen Infrastrukturen beschäftigt, beobachte ich, wie Kommunen vor neuen Chancen stehen, aber auch vor Risiken für digitale Souveränität und Bürgerrechte.
Was 5G für kommunale Datenflüsse konkret bedeutet
5G verspricht vor allem: deutlich höhere Bandbreiten, geringere Latenz und die Möglichkeit, eine riesige Anzahl von Geräten gleichzeitig zu vernetzen. Für Städte heißt das:
Das Ergebnis ist ein dichter, vielschichtiger Datenstrom: Sensordaten, Videobilder, Telemetrie von ÖPNV‑Fahrzeugen, private Telemetriedaten von Nutzergeräten und Verwaltungsdaten der Kommune. Diese Flut verändert die Machtverhältnisse zwischen kommunaler Verwaltung, Netzbetreibern, Technologieanbietern und Bürgerinnen und Bürgern.
Wer gewinnt und wer verliert Kontrolle?
Beim Ausbau sehen wir verschiedene Akteur*innen mit unterschiedlichen Interessen:
Kurz gesagt: Ohne klare Regeln und aktive Gestaltung verlieren Kommunen und Bürger schnell den Überblick. 5G kann zur Verstärkung bestehender Abhängigkeiten führen, wenn Datenströme primär über kommerzielle Clouds und proprietäre Plattformen laufen.
Wie Kommunen die Kontrolle zurückgewinnen können
Es gibt konkrete Hebel, die Kommunen nutzen können, um Souveränität zu stärken:
Praxisbeispiele – wo es funktioniert und wo nicht
Einige deutsche Städte experimentieren bereits mit privaten 5G‑Netzen für den Hafenbetrieb oder die Industrieansiedlung. Dort lässt sich gut zeigen, wie lokale Netze sensible Daten innerhalb klarer rechtlicher Rahmen halten. Andererseits haben einige Smart‑City‑Projekte, die auf großen Cloud‑Plattformen laufen, eine Reihe von Problemen offenbart: fehlende Auditierbarkeit, unklare Datenweitergabe an Drittanbieter und intransparentes Datenmarketing.
| Ansatz | Vorteile | Risiken |
|---|---|---|
| Private 5G‑Netze | Hohe Kontrolle, geringere externe Abhängigkeit | Kosten, technische Komplexität |
| Public 5G + Cloud‑Plattform | Schnellere Umsetzung, Skaleneffekte | Vendor‑Lock‑in, Datenschutzrisiken |
| Interkommunale Rechenzentren | Kostenteilung, lokale Souveränität | Koordinationsaufwand, Governance‑Fragen |
Konkrete Maßnahmen, die ich den kommunalen Entscheidungsträger*innen empfehle
Aus meinen Recherchen und Gesprächen mit Expertinnen und Experten ergeben sich mehrere pragmatische Schritte:
Was Bürgerinnen und Bürger selbst tun können
Als Nutzer*innen der städtischen Infrastruktur haben wir ebenfalls Handlungsmöglichkeiten:
Technologie ist kein Selbstläufer – Politik entscheidet
Technik allein löst keine politischen Fragen. Der 5G‑Ausbau verschiebt Macht über Daten – und damit über Entscheidungsspielräume und wirtschaftliche Wertschöpfung. Ob diese Verschiebung zugunsten einer transparenten, kommunal verankerten digitalen Infrastruktur oder eines kommerziell dominierten Modells verläuft, liegt an politischer Gestaltung: an Beschlussvorlagen in den Rathäusern, an Ausschreibungsbedingungen, an Förderkriterien und an gesellschaftlichem Druck.
Ich beobachte mit Sorge, wie oft verlockende Fördergelder oder schnelle Pilotprojekte dazu führen, dass langfristige Souveränitätsfragen hintangestellt werden. Gleichzeitig sehe ich zahlreiche engagierte Verwaltungen, die wirklich durchdachte Konzepte entwickeln — mit dem klaren Ziel, dass Daten den Bürgerinnen und Bürgern dienen und nicht umgekehrt.
Wenn Kommunen jetzt ihre Datenarchitekturen, Vertragsbedingungen und Governance‑Modelle systematisch überarbeiten, entsteht eine Chance: 5G kann zur Grundlage einer kommunalen digitalen Souveränität werden – wenn wir diese Gelegenheit nutzen, statt sie privaten Plattformen zu überlassen.